Messer, Gabel, Löffel - Wie lernen Kinder mit Besteck zu essen
Wenn bei Ihnen zuhause gerade Möhrenbrei an den Gardinen klebt und dunkle Soßen-Flecken die Tapete verzieren, haben Sie wahrscheinlich ein Kleinkind, dass gerade beginnt allein mit Besteck zu essen. Da kann schon so einiges danebengehen. Eltern brauchen für diesen langen Lernprozess sehr viel Geduld und Nachsicht, aber auch Konsequenz und ein einheitliches immer wiederkehrendes Vorgehen. Die Zweifel, ob man das Thema Besteck-Handling wirklich vernünftig an sein Kind weitergegeben hat, bleiben wohl immer im Hinterkopf.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Oft sitzen Eltern beim gemeinsamen Essen mit den gleichaltrigen Kindern der Freunde staunend am Tisch und fragen sich, warum isst mein Kind nicht genauso gut mit Messer und Gabel? Jedoch entwickeln sich Kinder sehr unterschiedlich. So ist das eine Kind im Umgang mit Besteck versiert, das andere hingegen beherrscht bereits alle Farben, kann super Puzzeln oder zieht sich immer allein an.
Eltern beginnen in der Regel ihren Babys mit einem halben Jahr per Löffel den Brei zu füttern. Daher kennen die Kinder das Gefühl des Löffels im Mund und das Abnehmen des Essens mit der Zunge vom Löffel. Dies ist schon mal eine Grundvoraussetzung. Mit ca. einem Jahr nimmt das Kind Platz an der Familientafel und isst meist die gleiche Kost. Bewaffnet mit einem Löffel und gesichert durch ein alles abdeckendes Ärmellätzchen experimentieren die kleinen Racker schon jetzt mit dem faszinierenden Besteck. Spätestens jedoch mit eineinhalb Jahren sollten Kleinkinder beginnen, ihre ersten Essversuche mit dem Löffel im Alleingang zu unternehmen. Die Fortschritte sind für die Eltern oft kaum merkbar, denn die Kleinen haben gefühlt dauerhaft die Finger im Essen, für das Kind sind es jedoch meist Meilenschritte in der Motorik. Lesen Sie auch: Wie Kinder mit dem Löffel essen lernen
In der Regel legen Eltern spätestens mit zwei Jahren auch die Gabel zum Gedeck hinzu. Dieses spitze Ding, mit dem man so prima kleine Stücke anpieken kann, ist höchst interessant für die kleinen Gourmets. Haben die Kinder gelernt, damit eine Kartoffel auch wirklich in den Mund zu befördern statt quer über den Tisch, kommt das Messer hinzu. Spätestens mit drei Jahren startet das Abenteuer "mit dem Messer schneiden". Bis das Handling damit funktioniert, werden durchaus ein bis zwei Jahre ins Land gehen und viel Quengelei die Tischharmonie stören. Spätestens vor der Einschulung sollten die Kinder den sicheren Umgang mit Messer und Gabel beherrschen.
Die meisten Menschen nehmen die Gabel in die linke Hand und das Messer in die rechte Hand. Es gibt aber auch Ausnahmen! Ist Ihr Kind so eine Ausnahme versuchen Sie nicht es mit Zwang zu ändern. Es ist egal in welcher Hand Messer und Gabel gehalten werden. Viel wichtiger ist der richtige Umgang damit!
Langsam beginnen, stark steigern
Anfänglich essen die Kleinen stark zerkleinerte Mahlzeiten mit dem Löffel. Doch Sie sollten relativ schnell dazu übergehen, nicht jedes Gericht zu einem homogenen Brei zu vermengen und das Kind die einzelnen Bestandteile wie Erbsen, Kartoffeln oder Fleisch unterscheiden zu lassen. So beginnt Ihr Kind zunächst die Kartoffeln mit der Gabel zu essen, kleine Fleischtücken anzupieken, oder den Quarkkuchen mit dem Löffel allein zu teilen. Kommt das Messer zum Einsatz, so ist es hilfreich, das Fleisch vorher durchaus noch zu schneiden, aber andere weiche Zutaten vom Kind selbst teilen zu lassen. Ihr Kleines wird sehr schnell dazu übergehen, mit seinem Lieblingssatz: "Ich mach das alleine" zu argumentieren und im Zweifelsfall um Hilfe bitten.
Ist ein Kinderbesteck sinnvoll?
Natürlich brauchen Kinder spezielles Kinderbesteck, um den Umgang mit Messer und Gabel zu schulen. Es muss nicht aus Plastik sein. Wer selbst einmal versucht hat, damit etwas auf die Gabel aufzunehmen, weiß wovon die Rede ist. Ebenso braucht es keine speziell gebogenen Löffel oder um neunzig Grad gedrehte Gabeln. Völlig ausreichend sind Kinderbestecke, die einen gut zu greifenden breiten Griff besitzen und nicht allzu lange Zinken an der Gabel haben. Davon benötigen Sie jedoch mehr als eine Garnitur. Wünschen Sie sich im Zweifelsfall Kinderbesteck als Geschenk zum Geburtstag, zu Weihnachten oder der Taufe Ihres Kindes.
Spielerisches Lernen und praktische Übungen
Der beste Weg, um Kindern Besteck-Handling beizubringen, ist durch wiederholte Übung und positive Verstärkung. Viele Eltern nutzen Spiele, um das Lernen interessant zu machen. Beispielsweise können Sie einen kleinen Wettbewerb veranstalten: "Wer schafft es, die Kartoffel ohne zu kleckern zu schneiden?" Dies macht das Lernen spielerisch und weniger frustrierend. Eine realistische Erwartungshaltung ist wichtig: Kinder werden kleckern, Essen wird herunterfallen, und das ist völlig normal und Teil des Lernprozesses.
Ein Ansatz für kompliziertere Griffe ist, den kindlichen Löffel oder die Gabel physisch mit Ihrem Besteck zu leiten - aber nur ganz kurz und zum Verständnis des Bewegungsablaufs. Danach sollte das Kind das selbst versuchen. Allzu viel Einmischung führt zu einer schädlichen Abhängigkeit und frustriert das Kind.
Kinder lernen durch Nachahmung
Die wahrscheinlich wirksamste Lernmethode ist das Vorbild. Ihr Kind schaut Ihnen beim Essen zu. Nehmen Sie deshalb möglichst die Mahlzeiten gemeinsam ein. Sie sind das Vorbild - von Ihnen lernt das Kind unbewusst und natürlich. Die Sitzhaltung, die Bewegungen, die Ruhe beim Essen - alles wird beobachtet und nachahmend gelernt.
Schaffen Sie eine entspannte Essensatmosphäre. Nehmen Sie sich Zeit für das Essen, sorgen Sie für Ruhe und vermeiden Sie Ablenkungen wie Fernseher oder laute Musik. Das Kind sollte sich konzentrieren können. Geht etwas daneben, reagieren Sie nicht mit Schimpfen oder Zorn. Konkrete, konstruktive Anweisungen funktionieren deutlich besser. Sagen Sie beispielsweise: "Halte die Tasse gerade am Henkel fest, sonst verlierst du Tee" statt "Das gehört sich nicht, greife die Tasse richtig an!"
Geduld und realistische Zeiträume
Bis Ihr Kind das Essen mit Besteck sicher und ohne Probleme beherrscht, werden etliche Jahre verstreichen. Manchmal kann das entmutigend wirken. Doch jede kleine Verbesserung ist ein Erfolg - feiern Sie diese! Übertriebene Hektik oder Sorge sind meist fehl am Platz. Geben Sie dem Kind ausreichend Zeit. Ständige Wiederholungen, Geduld und die bewusste eigene Handhabung des Essbestecks als Vorbild sind das Geheimnis des Erfolges.
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