Wie Kinder Tischmanieren lernen

Erfahren Sie hier wie Sie Ihren Kindern gute Tischmanieren beibringen. Denken Sie daran, dass Sie als Eltern auch hier als Vorbild dienen. Erklären Sie Ihren Kindern warum es auch am Esstisch verbindliche Regeln gibt.

Kinder lernen Tischmanieren
Wie Kinder spielerisch und ganz nebenbei gute Tischmanieren lernen ... - Foto: © belamy - stock.adobe. com

Wie Kinder essen lernen

Der Weg zu guten Tischmanieren beginnt schon im Kleinkindalter und verläuft in vielen kleinen Schritten. Mit etwas Geduld und liebevoller Anleitung lernt jedes Kind nach und nach, sich bei Tisch zurechtzufinden.

Warum Tischmanieren wichtig sind

Tischmanieren sind weit mehr als bloße Höflichkeit. Sie vermitteln Kindern ein Verständnis für Respekt, Selbstkontrolle und Rücksichtnahme gegenüber anderen. Ein Kind, das mit guten Manieren aufwächst, wird auch in anderen Situationen - in der Schule, bei Freunden oder später im Beruf - leichter akzeptiert und respektiert. Darüber hinaus trägt gemeinsames Essen, bei dem angenehme Umgangsformen gepflegt werden, massiv zu einem guten Familienklima bei. Der Esstisch ist der Ort, wo Familie zusammenkommt, und dieser Ort verdient auch die nötige Sorgfalt.

So lernen Kinder zu essen:

Wie Kinder gute Tischmanieren lernen

Beim Blick unter den Esstisch nach dem Abendbrot meinen manche Eltern, dort befinde sich eine komplette Mahlzeit unter dem Platz ihres Kindes. Und während Papa das Besteck mit "spitzen Fingern" auf den Teller sortiert, sausen Sohnemann oder Töchterchen im schnellen Schritt mit einem Glas Apfelschorle durch die Wohnung und hinterlassen ihre Spuren. Tischmanieren beim Essen sind doch selbstverständlich, oder? Aber wie vermitteln Eltern am geeignetsten ihren Kindern diese allgemein gültigen Verhaltensregeln?

Gutes Benehmen der Kinder am Tisch freut alle Eltern. Und dies nicht nur bei einem Restaurantbesuch, wo andere Eltern dadurch auffallen, dass der Kellner bereits während des Essens das Tischtuch wechseln muss und die Bestuhlung nach der Mahlzeit eine Komplettreinigung benötigt. Klar, Kinder kleckern, sie stossen ab und zu ein Glas um und man kann in ihren Gesichtern die Speisekarte ablesen. Kinder müssen nicht nur das Essen erst erlernen, sondern auch die Regeln, die am Esstisch gelten. Entscheidend sind dabei die Eltern und ihre Konsequenz, wie sie diese Regeln bei ihren Kindern anwenden.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Kinder nicht von Natur aus mit guten Tischmanieren geboren werden. Sie müssen diese wie alle anderen Fähigkeiten erlernen. Darüber hinaus entwickeln sich Kinder unterschiedlich schnell. Was bei einem Vierjährigen noch normal ist, ist bei einem Sechsjährigen schon fraglich. Deshalb ist es wichtig, realistische Erwartungen an das Alter Ihres Kindes zu haben.

Mädchen beim Essen lernen
Beim Spagetti essen kann schon mal was schief gehen ... - Foto: © StefanieBaum - stock.adobe. com

So bringt man Kindern gutes Benehmen am Tisch bei

Nicht unerheblich für gute Tischmanieren sind die eigenen Eltern für die Kinder. Sie sind das wichtigste Vorbild und zeigen durch ihr Verhalten bereits den ganz Kleinen, wie es funktioniert. Sobald die Kinder allein in ihrem Stühlchen mit am Tisch sitzen, beginnt das Lernen. Telefonieren Papa oder Mama während der Mahlzeit, scheint es für ein Kind unlogisch, warum es nicht am Tisch spielen soll. Ebenso fehlen Sie als Vorbild für ihren Sohn oder die Tochter, wenn diese oft allein am Esstisch sitzen müssen. Nur durch Ihre Anwesenheit sind Sie in der Lage, gutes Benehmen bei Tisch vorzuleben und das Kind bei groben Verstößen gegen die allgemeinen Tischregeln zu ermahnen und diese natürlich auch zu erklären. Ein gemeinsames Essen in Ruhe ist zudem ein sehr sinnvolles und schönes Ritual in einer sehr hektischen Gesellschaft, um miteinander zu kommunizieren. Laute Musik oder der Fernseher im Hintergrund sind hier absolut unnötig. Ein schönes Ritual ist beispielsweise am Wochenende ein Essen gemeinsam zu kochen. Größere Kinder können bereits bei der Zubereitung helfen, kleinere Kinder können den Tisch decken. Dann wird gemeinsam gegessen. Dabei können Sie u.a. auch über Probleme sprechen, die ihre Kinder bewegen oder Pläne für einen Ausflug am nächsten Wochenende machen.

Grundregeln bei Tisch für Kinder

Welche Regeln genau in einer Familie gelten, wird oft sehr unterschiedlich gehandhabt. Die einen verbieten Ellenbogen auf dem Tisch, in anderen Familien wird es eher locker gesehen. Einige Grundregeln sollten jedoch überall gelten:

Händewaschen vor dem Essen: Bevor es ans Essen geht, sind saubere Hände ein absolutes Muss. Dies ist nicht nur eine hygienische Frage, sondern lehrt das Kind auch Respekt vor der Mahlzeit.

Hinsetzen und Bleiben: Das gemeinsame Beginnen und Beenden der Mahlzeit ist wichtig. Alle essen erst, wenn jeder am Tisch sitzt, und stehen auch erst auf, wenn jeder aufgegessen hat. Gegessen wird mit Besteck, nicht mit den Fingern. Vor allem: gegessen wird am Tisch - Aufstehen bedeutet, man ist mit dem Essen fertig. Vor der nächsten Mahlzeit gibt es dann auch keine Snacks zum Hungerstillen zwischendurch.

Weitere Grundregeln: Kein Rülps am Tisch, keine unappetitlichen Themen, die Schuhe bleiben an den Füssen, nicht mit vollem Mund reden und das Essen nicht auszuspucken.

Wer als Elternteil seinem Kind Tischmanieren beibringen möchte, muss dem Kind zudem den Grund erläutern, warum es eben nicht mit dem Finger ins Marmeladenglas greifen soll oder jedes Stück Kuchen auf der Tortenplatte anfasst. Erklären Sie: "Wenn mehrere Menschen vom gleichen Teller essen, ist es unhygienisch, jedes Stück anzufassen." Dies geht dem Kind leichter ein als nur: "Das macht man nicht!"

Manchmal kommt man um das Ermahnen nicht herum. Aber sagen Sie: "Das ist unhöflich gegenüber den anderen" statt "Das gehört sich nicht." Spielerische Methoden funktionieren oft besser: "Wer hat heute wohl am wenigsten auf den Tisch gekleckert?" oder "Wer schafft es, ohne zu rülpsen zu essen?"

Schrittweise lernen und realistische Erwartungen

Eltern sollten verstehen, dass Tischmanieren nicht über Nacht gelernt werden. Ein Kleinkind kann nicht die gleichen Anforderungen erfüllen wie ein Schulkind. Mit zwei Jahren ist es völlig normal, dass Kinder kleckern und mit den Händen essen. Mit fünf Jahren sollten sie langsam lernen, Besteck zu nutzen. Mit acht oder neun Jahren dürfen Sie mehr Disziplin und Ausführlichkeit erwarten, aber auch dann sind Unfälle Teil des Prozesses.
Belohnen Sie Fortschritte genügend. Sagen Sie: "Du hast heute so gut mit deinem Löffel gegessen! Ich bin stolz auf dich!" Dies motiviert Kinder deutlich mehr als Kritik. Negative Verstärkung führt zu Stress beim Essen und kann zu Essstörungen führen.

Gemeinsame Mahlzeiten als Familienerlebnis
Die wahrscheinlich beste Investition für gute Tischmanieren ist die Zeit als Familie am Esstisch zu verbringen. Dies ist nicht nur eine Gelegenheit zum Essen, sondern zum Sprechen, Lachen und Zusammensein. Kinder lernen in entspannter Atmosphäre besser. Wenn die Mahlzeit zur Kampfzone wird ("Iss deinen Brokkoli!", "Benimm dich!"), werden Kinder defensiv und resistenter gegenüber Regeln. Gemächliche Mahlzeiten mit interessanten Gesprächen und guter Stimmung fördern dagegen intrinsische Motivation.

Ausnahmen und Regeln lockern
Tischmanieren zu beherrschen ist ein langer Lernprozess, den sogar einige Erwachsene nicht vollkommen beherrschen. Es bedarf viel Geduld, Liebe und starker Nerven der Eltern, bis ihr Kind weiss, wie es sich bei Tisch zu benehmen hat. Und bei alledem soll nicht unerwähnt bleiben, dass Kinder eben Kinder sind und keine kleinen Erwachsenen.
Ein steifes, seriöses Essen macht wohl weder Eltern noch Kindern Spass. Es darf also ab und zu ein Mittagessen mit Pommes geben, die in die Finger genommen werden können. Auch ein Fernsehabend mit kleinen Snacks, die vor dem Fernseher gegessen werden, kann als Ausnahme ruhig gelegentlich stattfinden. Diese Ausnahmen sind sogar wichtig - sie zeigen dem Kind, dass es nicht um starre Regeln geht, sondern um respektvolles Verhalten.
So richtig Spass wird den Kindern sicher ein "Schweinetag" machen. An diesem Tag darf mit den Händen gegessen werden. Wählen Sie dafür am besten Speisen, die nicht zu viel Dreck machen und gut greifbar sind wie beispielsweise Pommes, Hühnerflügel, Gemüsesticks, Muffins oder Apfelschnitze. Wenn Sie gelegentlich mal so einen Tag veranstalten, beispielsweise während der langweiligen Ferien zuhause, werden ihre Kinder sich an die sonst herrschenden Regeln halten.
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