Erdbeerernte 2026: Hitze beendet die Hauptsaison früher als geplant

Hochsommerliche Temperaturen haben die Erdbeersaison 2026 in Süddeutschland vorzeitig beendet. Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) zieht eine gemischte Bilanz: gute Nachfrage, aber spürbarer Preisdruck im Handel.

Frische Erdbeeren bei der Ernte
Die Erdbeerernte 2026 geht zu Ende - Symbolbild: © Sea Wave - stock.adobe.com

Frühes Saisonende durch Hitzewelle

Ende Juni 2026 stellten zahlreiche Betriebe in Süddeutschland die Erdbeerernte ein — früher als in den Vorjahren. Bei hochsommerlichen Temperaturen ließen sich nicht durchgehend gute Qualitäten produzieren. Unter anderen Witterungsbedingungen hätte die Saison laut Erdbeeranbauberater Christian Wach noch rund eine Woche länger gedauert. Spätsorten wie „Marieka“ und „Malwina“ werden vereinzelt noch geerntet, und über den Sommer bis in den Herbst liefern wiedertragende Pflanzen (Remontierer) weitere Früchte.

Der Saisonstart verlief durchschnittlich früh. Die Frühsaison kam dank überwiegend guter Witterung und der Staffelung verschiedener Verfrühungssysteme gut in Gang, sodass es kontinuierlich Erdbeeren gab. Eine kühle, regnerische Phase in den Kalenderwochen 20 und 21 bremste zwar kurzzeitig die Reife und die Kauflust, insgesamt sorgte aber schönes Wetter für eine große Nachfrage nach heimischen Früchten.

Preisdruck im Handel ärgert die Erzeuger

VSSE-Vorstandssprecher Simon Schumacher kritisiert die Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels deutlich: Schon vor Pfingsten sei der Erdbeerpreis im Handel eingebrochen, obwohl die Nachfrage stimmte. Danach habe er sich nicht mehr erholt. Das trifft vor allem Betriebe, die überwiegend über den Handel vermarkten — bei gleichzeitig gestiegenen Produktionskosten.

Schumacher warnt, der Handel müsse seine Preisstrategie ändern, wenn er weiterhin heimische Erdbeeren verkaufen wolle. In den vergangenen zehn Jahren hätten bereits mehr als 25 Prozent der Erdbeererzeuger in Deutschland ihren Anbau aufgegeben. Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) lagen die durchschnittlichen Verbraucherpreise für deutsche Erdbeeren von Jahresbeginn bis Ende Mai nur ein Prozent über dem Vorjahresniveau. AMI-Marktexpertin Eva Würtenberger geht davon aus, dass der Durchschnittspreis mit den Juni-Zahlen sogar unter den Vorjahreswert fallen wird — trotz gestiegener Produktionskosten.

Direktvermarktung und Selbstpflücke laufen gut

Deutlich besser sieht es bei der Direktvermarktung aus. Viele Betriebe berichten von stabilen Preisen und zufriedenen Kunden an den Verkaufsständen. Auch Selbstpflückfelder waren 2026 wieder stark gefragt, besonders an Wochenenden und bei Aktionen. Laut AMI kaufte jeder Haushalt seit Jahresbeginn bis Ende Mai rund 2,66 Kilogramm Erdbeeren — fast so viel wie im Spitzenjahr 2025 mit 2,7 Kilogramm.

Erdbeeranbauberaterin Katrin Hetebrügge aus Südhessen bestätigt das Bild: Die Direktvermarktung stimme viele Betriebe positiv, während der Handelspreis zuletzt sehr stark unter Druck gestanden habe. Viele Betriebe hätten wegen der großen Hitze früher als erwartet aufgehört.

Im Norden geht die Saison weiter

Während in Süddeutschland vielerorts schon Schluss ist, läuft die Ernte in Norddeutschland noch. Die Betriebe dort sind laut VSSE über 50 Prozent der Haupternte hinweg. Tilman Keller, Erdbeeranbauberater für Niedersachsen und Schleswig-Holstein, spricht von einer Saison mit Kapriolen — geprägt durch eine Kältephase, schwankende Nachfrage und Preiswettbewerb im Großhandel.

Die Vorbereitungen für die Erdbeersaison 2027 laufen bereits: Trotz der großen Hitze werden gerade neue Sorten gepflanzt, denn bis zur nächsten Ernte braucht es fast ein Jahr Vorlauf.

Quelle: Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE), Saisonbilanz Juni 2026